12. bis 14. Dezember 2017
Plenarsaal Bonn
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Martin Lücke

Beteiligung der Rotkreuzschwestern an der
Betriebsratswahl – der Weg in den TVöD

Martin Lücke
BR-Vorsitzender, REGIOMED Klinikum Coburg GmbH

Zum Praxisbericht:

Rotkreuzschwestern sind Vereinsmitglieder. Rotkreuzschwestern sind Pflegekräfte. Seit mehr als 100 Jahren haben Rotkreuzschwestern auf der Basis von Gestellungsverträgen in Krankenhäusern mitgearbeitet, ohne Arbeitnehmern gleichgestellt zu sein.

Das Berufsbild hat sich über die Jahrzehnte grundlegend gewandelt: Rotkreuzschwestern sind nicht Mitglieder einer klosterähnlichen Gemeinschaft, sondern heute in der Regel schwerarbeitende Berufstätige, oft verheiratet und nicht selten Alleinverdiener ihrer Familie. Das „Ordensprivileg“ nach BetrVG ist nicht zu rechtfertigen, heutige Rotkreuzschwestern sind Leih-Arbeitnehmer, und damit Kolleginnen.

Der Betriebsrat des Klinikum Coburg hat seit 2002 dafür gestritten, dass ihre Kolleginnen ein Wahlrecht bei der BR-Wahl erhalten. 2002 und 2005 wurden die Wahlen (zunächst erfolgreich) angegriffen, ab 2008 wurde auf einem „Neben-Schlachtfeld“ in Coburg der Durchbruch erzielt: Im Streit um das „Pflegeförderprogramm“ der Bundesregierung verglichen wir uns 2012 mit dem Arbeitgeber vor dem BAG. Fortan hatten Rotkreuzschwestern „bei uns“ Wahlrecht – und seit 2017 auch den TVöD.

Mit Ausdauer zum Ziel: Das Ende des „Ordensprivilegs“ führte zu direkter Mitbestimmung und in die Tarifbindung.

Zum Referenten:

Martin Lücke, Jahrgang 1963, ist in Niedersachsen geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur leistete er in Bayern Zivildienst im Rettungsdienst des Roten Kreuzes, bevor er sein Studium der Humanmedizin in Würzburg absolvierte.

Seit 1991 ist er als Arzt im Klinikum Coburg tätig. Nach der Facharzt- Ausbildung zum Anästhesisten wurde er Oberarzt in der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Klinikums und hat über viele Jahr den Notarztdienst als Leitender Notarzt und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst in der Region mitgeprägt. Notarzt ist der bis zum heutigen Tage – mit Leib und Seele.

Seit dem August 2000 ist Martin Lücke Betriebsratsvorsitzender der Klinikum Coburg GmbH, seit November 2011 auch Vorsitzender des Konzernbetriebsrats des Konzerns der REGIOMED Kliniken GmbH.

Ein berufsbegleitendes Master- Studium („Health Care Management“) und die Tätigkeit als Ehrenamtlicher Richter am Bundesarbeitsgericht in Erfurt runden das Bild ab.

Zum Unternehmen:

Die REGIOMED-KLINIKEN sind der erste bundeslandübergreifende Klinikverbund in Deutschland. Wir bestehen aktuell aus fünf Akutkliniken an sechs Standorten in Oberfranken und Südthüringen, elf medizinischen Versorgungszentren an 15 Standorten, dem bodengebundenen Rettungsdienst im Landkreis Sonneberg, sechs Seniorenzentren und zwei Heimen für psychisch betroffenen Menschen und vier Servicegesellschaften in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft.

Mit ca. 4.900 Mitarbeitern und über 1.350 stationären Betten, ergänzt durch die Medizinischen Versorgungszentren an den Klinikstandorten sowie zusätzlich in 5 weiteren Gemeinden, können wir eine strukturierte Behandlung aus einer Hand gewährleisten.

Das Klinikum Coburg ist mit knapp der Hälfte dieser Mitarbeiter und Betten die größte Gesellschaft im Konzern.

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