12. bis 14. Dezember 2017
Plenarsaal Bonn
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Hans-Jürgen Kallmeier
Hans-Uwe Ruß

T-Systems Transformation 2015+

Hans-Jürgen Kallmeier & Hans-Uwe Ruß
GBR-Vorsitzender & freigestellter Betriebsrat, T-Systems International GmbH

Zum Praxisbericht:

Der Telekom-Konzern und die T-Systems stehen bereits seit Jahren vor der Herausforderung umfassender Strukturveränderungen. Diese Veränderungsprozesse gestalten die Betriebsräte und der Gesamtbetriebsrat der T-Systems aktiv mit.

Die Streichung von ca. 4.500 der ehemals 25.000 Arbeitsplätze bei T-Systems in Deutschland innerhalb von zwei Jahren verlief ohne betriebsbedingte Beendigungskündigungen. Wo es in anderen Unternehmen zum rigorosen Abbau durch Kündigungen kommt, haben ArbeitnehmervertreterInnen der T-Systems (Gesamtbetriebsrat, ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat, ver.di und die IG Metall) es gemeinsam geschafft, den Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass ein Umbau möglich ist und dass ein sozialverträglicher Weg eingeschlagen werden muss.

Die bereitgestellten finanziellen Mittel sollten aus Sicht der Betriebsräte nicht für den Abbau, sondern für einen intelligenten Umbau genutzt werden. Ein entsprechendes 9-Punkte-Papier, das diese und weitere Forderungen beinhaltete, wurde auf Initiative und Druck des Gesamtbetriebsrates am  22.01.2014  im Aufsichtsrat der T-Systems in Bonn durchgesetzt, unterstützt durch eine Demonstration vor der Zentrale der Telekom.

Eine mit dem Arbeitgeber abgeschlossene Rahmenvereinbarung spiegelt den Inhalt des 9-Punkte-Papiers wider (u.a. Standortsicherung, Fremddienstleister-Substitution, Schutz schwerbehinderter Menschen, BR-Beteiligung und die Möglichkeit, auf IT-Stellen im öffentlichen Dienst zu wechseln).

Weiterhin wurden im Campusmodus über 20 Interessenausgleiche und  Gesamtbetriebsvereinbarungen zum persönlichen Veränderungsmanagement (Job Service & Placement), zum  allgemeinen Changeprozess  und zur globalen Aufgabenverlagerung aus Deutschland heraus abgeschlossen.

Darüber hinaus vereinbarte ver.di mit T-Systems einen Tarifvertrag zur sozialverträglichen Begleitung des Transformationsprogramms T-Systems 2015+ (Wechselkonditionen, Altersteilzeit, Abfindungsregelungen usw.).

Ein Ergebnis dieser Herangehensweise ist eine Vermittlungs- und Qualifizierungseinheit (Job Service & Placement). Bei JSP handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Auffanggesellschaft im üblichen Sinne, sondern sie ist intern im Unternehmen angesiedelt. Hierdurch entstand die Möglichkeit der Qualifizierung und der Vermittlung auf interne und externe Stellen.

Auf Druck der Beschäftigten und ver.di stimmte der Arbeitgeber schließlich dem Ausschluss betriebsbedingter Beendigungskündigungen bis zum 31.12.2018 zu. Dies ist einmalig in der IT-Branche.

Die innerhalb der Transformation 2015+ getroffenen Vereinbarungen waren auch unter den Betriebsräten nicht unumstritten. Letztendlich fanden sich aber die erforderlichen Mehrheiten.

Auf regionaler Ebene kam es auch zu arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen bezüglich der richtigen Umsetzung der Vereinbarungen.

Die Transformation  ging bei allen Beteiligten bisweilen an die Grenze der Belastbarkeit, ja sogar an die Substanz. Es war aber eine erfolgreiche, von Betriebsräten initiierte „Jobrettungskampagne“, die Ihresgleichen sucht.

Der Gesamtbetriebsrat  der T-Systems konnte im Zusammenspiel mit den ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat und ver.di erfolgreich zeigen, dass Personalumbau (trotz erheblichen Stellenabbaus)  sozialverträglich gestaltet werden kann.

Zu den Referenten:

Jürgen Kallmeier steht seit 1976 im Berufsleben. Nach verschiedenen Stationen im IT-Bereich war er von 1999-2002 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates vom „debis Systemhaus“ (IT-Sparte des Daimler Konzerns).  Nachdem aus debis und mehreren Einheiten der Deutschen Telekom die T-Systems entstand, war er ab 2004 stellvertretender Vorsitzender T-Systems Enterprise Services, ab 2007 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der T-Systems International. Er ist Mitglied in den Aufsichtsräten der DeutschenTelekom und der T-Systems. Einer seiner Schwerpunkte ist die Gestaltung von Unternehmensentwicklung (Digitalisierung 4.0).

Hans-Uwe Ruß ist ein Telekom-Urgestein und seit 47 Jahren im Unternehmen (Fernmeldeamt Kiel, Telekom, DeTe CSM, T-Systems). Ebenso lange ist er aktives Gewerkschaftsmitglied in der Deutsche Postgewerkschaft und ver.di. Seit 1985 ist er in der  Personal- bzw. Betriebsratsarbeit verwurzelt. Seit 2011 ist Hans-Uwe Ruß  freigestellter Betriebsrat T-Systems Nord und Vertreter im Gesamtbetriebsrat. Des Weiteren ist er Mitglied in einigen  BR-Ausschüssen bzw.  Arbeitsgruppen  (u.a. im Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit). Sein Hobby ist Videoproduktion, was auch der Öffentlichkeitsarbeit der BR-Gremien zu Gute kommt.

Zum Unternehmen:

Mit Standorten in über 20 Ländern, 43.700 Mitarbeitern und einem externen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro (2016) ist T-Systems einer der weltweit führenden Dienstleister für Informations- und Kommunikationstechnologie (engl. kurz ICT).

T-Systems bietet integrierte Lösungen für Geschäftskunden: vom sicheren Betrieb der Bestandssysteme und klassischen ICT-Services über die Transformation in die Cloud einschließlich bedarfsgerechter Infrastruktur, Plattformen und Software bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und Innovationsprojekten rund um Zukunftsfelder wie Datenanalyse, Internet der Dinge, Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) und Industrie 4.0. Grundlage dafür sind globale Reichweite für Festnetz- und Mobilfunk, hochsichere Rechenzentren, ein umfassendes Cloud-Ökosystem aus standardisierten Plattformen und weltweiten Partnerschaften sowie höchste Sicherheit.

Kunden sind multinationale Konzerne wie z.B. Shell, BP, Centrica, Daimler AG, Philips, MAN und E.ON.  Spezialisiert hat sich die T-Systems u.a. auf das Cloudgeschäft, welches in einem eigenen Rechenzentrum bei Magdeburg betrieben wird.

Kampf gegen Cyber-Angriffe

Ob Cloud Computing, mobile Lösungen oder Big Data – all diese Technologien stellen völlig neue Anforderungen an die IT-Sicherheit. Dazu kommt, dass Cyberattacken auf Unternehmensnetze und IT-Systeme immer ausgefeilter werden und sich inzwischen zu einer massiven Bedrohung für die Wirtschaft entwickelt haben. Datenschutz und Datensicherheit sind daher bei allen technischen Entwicklungen ein entscheidendes Erfolgskriterium. Deshalb hat die Deutsche Telekom den neuen Bereich „Telekom Security“ gegründet, der alle Sicherheitsaktivitäten und die Erfahrung von über 1000 Security-Experten bündelt.

Die T-Systems hatte 2014, zu Beginn des Projekts „Transformation 2015+“ in Deutschland ca.25.000 Beschäftigte.  Ende 2015 waren es noch ca. 20.000 Beschäftigte in Deutschland.

Heute sind es weniger als 17.500 Beschäftigte in Deutschland, bedingt durch weiteren Personalabbau und weitere Umstrukturierungen und Verlagerungen aus der T-Systems heraus in den  Konzern  Deutsche Telekom.

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