12. bis 14. Dezember 2017
Plenarsaal Bonn
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Bonner BetriebsräteTag 2004

„Veränderungen gestalten – Beschäftigung sichern“

In Bonn trafen sich Betriebsratsvorsitzende größerer Unternehmen zu einem branchenübergreifenden Erfahrungsaustausch. Im Mittelpunkt der Diskussion zur Professionalisierung und Qualifizierung der Betriebsratsarbeit stand neben Praxisberichten die Vorstellung der Weiterbildung „Veränderungsmanagement“ für Arbeitnehmervertreter. Berufsbegleitend werden Arbeitnehmervertreter für Führungsaufgaben in Veränderungs-prozessen auf Management-Niveau qualifiziert.  Ein „Führerschein“ für Betriebsräte soll dem steigenden Anspruch an die Kompetenzen der Arbeitnehmervertreter Rechnung tragen, denn selten standen Betriebsräte so im Rampenlicht wie in diesem Jahr. Umstrukturierungen, Arbeitszeitverlängerung, Standortverlagerungen und -schließungen forderten die Betriebsräte bundesweit als Krisen- und Veränderungsmanager.

Der Ausbildungsgang startet ab Mai 2005 an der Akademie der Ruhr-Universität Bochum. Entwickelt wurde die Fortbildung gemeinsam mit Betriebsräten, Personalentwicklern und der auf MitbestimmungsManagement spezialisierten Beratungsfirma [m]5-consulting.

Der Bonner BetriebsräteTag zeigte deutlich den Bedarf: Wirtschaftlich kritische Zeiten verlangen den Arbeitnehmervertretern weit reichende und neue Kompetenzen ab. Erstmalig skizzierte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Postbank AG, Hans-Jürgen Kummetat, öffentlich die Folgen des Börsengangs für das Unternehmen, für die Mitarbeiter und für die Betriebsräte. „Die Anforderungen an die Mitarbeiter verschärfen sich im Zuge des Börsengangs zunehmend“, so Kummetat, „und die Unternehmenskultur droht sich nachhaltig zu verändern“.

Wie Betriebsräte unter dem Motto „Kosten senken - Beschäftigung sichern“ gestalten können, zeigte das von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement im Rahmen der Initiative TeamArbeit prämierte „Bündnis für Arbeit“, das der Konzernbetriebsrats- und stellvertretende  Aufsichtsratsvorsitzende der Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG, Gerd Duffke, vorstellte. 

Der neue Arbeitsdirektor der T-Systems, Dr. Herbert Schaaff, der nach der jüngsten Umstrukturierung im Telekom-Konzern für 45.000 Mitarbeiter verantwortlich ist, berichtete, wie man bei der Telekom Umstrukturierungen kooperativ gestaltet. „Jedes Unternehmen hat mittelfristig den Betriebsrat, den es verdient“, resümierte Dr. Schaaff.

„Arbeitnehmervertreter verlangen heute nach einer integrierten ganzheitlichen Ausbildung ihrer fachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen“, so Prof. Dr. Heinrich Wottawa von der Ruhr-Universität Bochum und wissenschaftlicher Leiter des neuen Ausbildungsgangs. Die 18-monatige berufsbegleitende Weiterbildung kombiniert sechs Präsenzwochen mit unterstütztem Lernen an praktischen Fällen aus dem betrieblichen Alltag. Zu den Lerninhalten zählen Selbstmanagement, Konfliktmanagement, Projektmanagement, Wirtschaftslehre, Unternehmensführung und Veränderungs-management. Der erfolgreiche Abschluss wird mit einem Zertifikat der Akademie der Ruhr-Universität sowie der IHK bescheinigt. Prof. Wottawa betonte, dass diese konsequente ganzheitliche Weiterbildung für Arbeitnehmervertreter eine zukunftsweisende und vor allem gemeinsame Aufgabe von Interessenvertretung und Unternehmen sei.